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Klaus Böttgers Technik der Radierung

Klaus Boettgers technique of etching
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Arbeitszustände und Entstehung der

Farbradierung: »Paar VII«

Erster Zustand

Nach Abdecken einer sorgfältig polierten und ent-fetteten Kupferplatte mit flüssigem oder festem säurefestem Abdecklack, wird mit der Radiernadel die Zeichnung seitenverkehrt in diese Lackschicht geritzt oder gepunktet. An diesen, durch die Nadel freigelegten Stellen, dringt im anschliessenden Ätzvorgang die Säure in das Kupfer ein. Überflüssige Striche oder Punkte der Zeichnung werden davor mit dem Lack wieder abgedeckt. Nach genügender Atzung, wobei die gewünschte Stärke der Striche von der Länge des Ätzvorgangs abhängt, wird die Platte vom Lack befreit und mit gutgefeuchtetem Kupferdruckbütten auf der Handpresse zum ersten Zustand abgezogen.

(Abb. 1)

Zweiter Zustand

In einem zweiten Arbeitsvorgang wird die erneut sorgfältig gereinigte und entfettete Druckplatte auf der Rückseite abgedeckt. Auf der Vorderseite wird ebenfalls alles, was nicht ätzen soll (die Lichter im Haar und der gesamte Hintergrund) mit dem Pinsel abgedeckt. Nach Trocknung des Lackes wird im Staubkasten (oder mit dem Beutel) feinstgemahlenes Kollophonium (oder syrischer Asphalt) aufgestaubt. Über der offenen Flamme (oder im Einbrennofen/Einbrennplatte) schmilzt man das aufgestaubte Korn, das die Platte zu etwa 75 % gleichmäßig fein bedecken sollte, an. Nach Erkalten der so eingebrannten Platte wird wieder geätzt (Eisenchlorid). Auch hier ergibt eine verschieden lange Ätzzeit ein entsprechend tiefes Einfressen in das Metall. Tonwerte sind daher vom zartesten Grau bis zum tiefsten Schwarz möglich. Bei dieser »Aquatintatechnik« bildet das angeschmolzene Kollophonium mit seinen vielen kleinen Staubpartikeln einen säurefesten Raster,d.h. die Säure kann nur zwischen die einzelnen Körnchen eindringen. Diese zweite Ätzung ist etwas flacher als die des ersten Arbeitsvorganges, die tiefer erfolgte. Die schon vorhandene Zeichnung auf der Platte bleibt also noch schwach sichtbar für die Weiterarbeit.

(Abb. 2)

Dritter Zustand

Nach Abspülen der Säurereste, Entfernen des Abdecklackes (Testbenzin oder Terpentinersatz, das angeschmolzene Kollophonium mit Spiritus) kann die geätzte Fläche, die im Zustandsdruck dunkel erscheint, mit Polierstahl oder diversen Schmirgeln und Stahlwolle geglättet werden. Diese Partien erscheinen später im Druck, je nach Grad der Glättung, entsprechend heller. Der Zustandsdruck jetzt, zeigt noch deutlich die Schleifspuren im Hintergrund, am Gesäß der Frau und in deroberen Mantelpartie. (Abb. 3)

 

Vierter Zustand

Die erneut gereinigte Platte (wie nach jedem Zustandsdruck - die Säure dringt nicht gleichmäßig durch fettige Stellen) wird die gesamte Druckplatte, ohne jede vorherige Abdeckung auf der Vorderseite mit Kollophonium (s.o.) beschichtet und mit starker Säure (diesmal Salpetersäure) mit dem Pinsel an den nötigen Stellen, wenn möglich gezielt, geätzt. Diese »Pinselätzung« erzeugt, je nach Länge der Einwirkung, Flecken und Verläufe, wirkt also nicht gleichmäßig über die ganze Fläche, wie bei den üblichen Tauchbädern, die auf die gesamte Fläche gleichmäßig einwirken. Auch hier bleibt die zuerst geätzte Zeichnung, durch die geringere Tiefe der Ätzung, noch etwas erhalten. (Abb. 4)

Fünfter Zustand

Das durch die Ätzwirkungen aufgerauhte und ver-tiefte Kupfer, das in seinen je nachdem größeren Tiefen mehr oder weniger Farbe aufnimmt und entsprechend heller oder dunkler druckt, wird mit dem Polierstahl, dem Dreikantschaber oder anderen Schmirgel- und Schleifwerkzeugen abgestuft geglättet. Figur und Mantel treten langsam plastisch aus der dunklen Fläche. Je mehr die rauhe Kupferplatte eingeebnet wird, desto heller und stufenlos entsteht das Bild.

(Abb. 5)

Sechster Zustand

Nach weiteren Überarbeitungen, die die Zeichnung und deren Plastizität verfeinern und deutlicher machen und weiteren Zustandsdrucken zur Kontrolle, wird die Platte ganzflächig mit säurefestem Lack abgedeckt. Diese Lackfläche wird durch Spritzen und Reiben mit Lösemitteln aufgerissen. Hier dringt später sehr starke Salpetersäure als »Tiefätzung« tief in das Kupfer und dunkle,schwarzdruckende Flecken entstehen. Zum Abschluß wird die Platte in allen Details endgültig mit Polierstahl und Dreikantschaber in der »Mezzotinto-Technik« (mechanisches Aufhellen aus dem Dunkeln heraus) überarbeitet. Mit der »kalten Nadel«, unterstützt durch den Grabstichel, entstehen die hartdruckenden Senkrechtlinien beidseitig des Mantels. Die sog. »Zeichenplatte« ist fertig.

(Abb. 6)

Siebter Zustand

Eine zweite, genau gleichgroß geschnittene K upferplatte wird (wieder mit aufgestaubtem und eingebranntem Kollophoniumkorn) zu einer mitteltiefdruckenden Aquatintafläche geätzt. Auf die gereinigte »Ton- oder Farbplatte« wird passergenau ein noch farbfeuchter Abzug der »Zeichenplatte« aufgewalzt. Dieser Umdruck ermöglicht, ähnlich einer Vorzeichnung, präzises Arbeiten mit Polierstahl und Schaber. Auch hier wird in der »Mezzotintomanier« vom Dunkeln ins Helle gearbeitet. In diesem Fall ist alles etwas toniger oder malerischer gehalten, folgt aber exakt der Zeichenplatte. Nach mehreren Zwischendrucken erfolgt der endgültige Tonabzug der Farbplatte. (Hier in einem helldruckenden grün-blau)

(Abb. 7)

Achter Zustand

Beide Platten, die »Zeichenplatte« über die »Tonplatte«, werden in ihren jeweiligen Farben (naß-innaß) genau passergleich übereinander gedruckt. Die jetzt eintretende Farbmischung bedingt oft neue Korrekturen oder Uberarbeitungen an den einzelnen Platten. Gleichzeitig entstehen diverse Farbvarianten. Der Übereinanderdruck der end

gültig fertigen Platten in den richtigen Farben ergibt die vorliegende Farbradierung.

(Abb. 8)

Nach Abzug einiger Probedrucke auf dem endgültigen Papierformat und in der richtigen Farbe, die an den Verleger und Drucker als Vorlagen gehen, werden die Kupferplatten galvanisch verstahlt und sind fertig für den Auflagendruck.

aus:
Werkverzeichnis III
The Graphic Work III
Radierungen von 1980 - 1984
Lithographien von 1967 - 1984
Etchings 1980 - 1984
Lithographies 1967 - 1984
Draier Verlag, Haun und Hitzelberger GmbH, Friedberg 1985
Hardcover

 

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