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Vierter Zustand
Die erneut gereinigte Platte (wie nach jedem Zustandsdruck - die Säure dringt nicht gleichmäßig durch fettige Stellen) wird die gesamte Druckplatte, ohne jede vorherige Abdeckung auf der Vorderseite mit Kollophonium (s.o.) beschichtet und mit starker Säure (diesmal Salpetersäure) mit dem Pinsel an den nötigen Stellen, wenn möglich gezielt, geätzt. Diese »Pinselätzung« erzeugt, je nach Länge der Einwirkung, Flecken und Verläufe, wirkt also nicht gleichmäßig über die ganze Fläche, wie bei den üblichen Tauchbädern, die auf die gesamte Fläche gleichmäßig einwirken. Auch hier bleibt die zuerst geätzte Zeichnung, durch die geringere Tiefe der Ätzung, noch etwas erhalten. (Abb. 4)
Fünfter Zustand
Das durch die Ätzwirkungen aufgerauhte und ver-tiefte Kupfer, das in seinen je nachdem größeren Tiefen mehr oder weniger Farbe aufnimmt und entsprechend heller oder dunkler druckt, wird mit dem Polierstahl, dem Dreikantschaber oder anderen Schmirgel- und Schleifwerkzeugen abgestuft geglättet. Figur und Mantel treten langsam plastisch aus der dunklen Fläche. Je mehr die rauhe Kupferplatte eingeebnet wird, desto heller und stufenlos entsteht das Bild.
(Abb. 5)
Sechster Zustand
Nach weiteren Überarbeitungen, die die Zeichnung und deren Plastizität verfeinern und deutlicher machen und weiteren Zustandsdrucken zur Kontrolle, wird die Platte ganzflächig mit säurefestem Lack abgedeckt. Diese Lackfläche wird durch Spritzen und Reiben mit Lösemitteln aufgerissen. Hier dringt später sehr starke Salpetersäure als »Tiefätzung« tief in das Kupfer und dunkle,schwarzdruckende Flecken entstehen. Zum Abschluß wird die Platte in allen Details endgültig mit Polierstahl und Dreikantschaber in der »Mezzotinto-Technik« (mechanisches Aufhellen aus dem Dunkeln heraus) überarbeitet. Mit der »kalten Nadel«, unterstützt durch den Grabstichel, entstehen die hartdruckenden Senkrechtlinien beidseitig des Mantels. Die sog. »Zeichenplatte« ist fertig.
(Abb. 6)
Siebter Zustand
Eine zweite, genau gleichgroß geschnittene K upferplatte wird (wieder mit aufgestaubtem und eingebranntem Kollophoniumkorn) zu einer mitteltiefdruckenden Aquatintafläche geätzt. Auf die gereinigte »Ton- oder Farbplatte« wird passergenau ein noch farbfeuchter Abzug der »Zeichenplatte« aufgewalzt. Dieser Umdruck ermöglicht, ähnlich einer Vorzeichnung, präzises Arbeiten mit Polierstahl und Schaber. Auch hier wird in der »Mezzotintomanier« vom Dunkeln ins Helle gearbeitet. In diesem Fall ist alles etwas toniger oder malerischer gehalten, folgt aber exakt der Zeichenplatte. Nach mehreren Zwischendrucken erfolgt der endgültige Tonabzug der Farbplatte. (Hier in einem helldruckenden grün-blau)
(Abb. 7)
Achter Zustand
Beide Platten, die »Zeichenplatte« über die »Tonplatte«, werden in ihren jeweiligen Farben (naß-innaß) genau passergleich übereinander gedruckt. Die jetzt eintretende Farbmischung bedingt oft neue Korrekturen oder Uberarbeitungen an den einzelnen Platten. Gleichzeitig entstehen diverse Farbvarianten. Der Übereinanderdruck der end
gültig fertigen Platten in den richtigen Farben ergibt die vorliegende Farbradierung.
(Abb. 8)
Nach Abzug einiger Probedrucke auf dem endgültigen Papierformat und in der richtigen Farbe, die an den Verleger und Drucker als Vorlagen gehen, werden die Kupferplatten galvanisch verstahlt und sind fertig für den Auflagendruck.
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